Das Bauwerk


Die Kathedrale wird von außen über eine schöne Doppelstiege, die innerhalb des Hauptportales (errichtet 1777) liegt, betreten. Über dem Haupttor der Kirche befindet sich ein Tympanon mit einem Fresko vom Ende des 15. Jahrhunderts, das Jesus Christus, den hl. Johannes und den hl. Koloman zeigt. Dieses Fresko war 1851 übermalt worden und wurde im Jahr 1936 freigelegt und restauriert.

Unter der Kirche befindet sich die sternrippengewölbte Torhalle mit fünf Jochen, die wahrscheinlich im Jahr 1449 fertiggestellt worden ist. Der Kirchenraum besteht aus einem Mittelschiff und zwei schmäleren, gleich hohen Seitenschiffen. Seine Länge beträgt 32,15 m, seine Breite 18,80 m und seine Höhe 15,01 m. Eine Apsis fehlt. Der Boden der Kirche ist mit Platten aus Untersberger Marmor belegt.

Acht runde, über 13 m hohe Säulen tragen die flachen spätgotischen Deckengewölbe, die im Mittelschiff als Sternrippengewölbe, in den Seitenschiffen als Kreuzrippengewölbe gestaltet sind. Der Durchmesser der Säulen differiert - die vier Säulen im ostwärtigen Teil weisen einen Durchmesser von 85 cm auf, die vier Säulen im westlichen Teil einen Durchmesser von 94,5 cm. Auf drei Seiten umgibt eine Galerie mit blendmaßwerkgeschmücktem Geländer den Innenraum. Die Galerie geht im Altarraum in je ein Oratorium über. Kragsteine, durch doppelte, ineinandergreifende Bögen miteinander verbunden, vorne mit Schilden geschmückt, tragen diese Galerie. Die Wappen an der Galerie dürften nach Vorlagen aus Grünbergs "Österreichische Chronik" gestaltet sein. Man kann einen Bezug zur Genealogie der Wappenwand annehmen. Insgesamt sind es 55 Wappen, der Anfang liegt an der Südseite (21 Wappen), es folgt die Westseite (19 Wappen) und die Nordseite (15 Wappen). Die Ausgestaltung des vom Kaiser benutzten Oratoriums an der Evangelienseite (links) ist reicher als die des an der Epistelseite (rechts) befindlichen Oratoriums. Über dem Eingang der Kaiserempore von der Galerie her befindet sich die Jahreszahl 1460, die als Hinweis auf das Jahr der Fertigstellung gedeutet wird.

An der Empore befinden sich der Bindenschild, der kaiserliche Doppeladler und der habsburgische Löwe. Über dem Eingang des rechten Oratoriums befindet sich ein Relief des Erzengels Michael. Die Kirche erhält ihr Licht durch 9 Fenster, 3 davon an der Altarseite, 3 an der Westseite, eines an der Südseite und 2 an der Nordseite. Ein Fenster der Südseite ist durch den theresianischen Westtrakt (erbaut 1769 - 1777) verdeckt worden und blind. Erhalten geblieben sind nur die schönen Glasgemälde der Ostseite. Die übrigen Fenster sind mit blaufärbigern Antikglas ausgestattet.

Von der ursprünglichen spätgotischen Kircheneinrichtung ist fast nichts erhalten geblieben. Sie war im Laufe des Bestehens der Kirche mehrfach Anderungen unterworfen gewesen.

Die aus Anlaß des 100-jährigen Jubiläums der Akademie im Jahr 1851 fertiggestellte neugotische Kircheneinrichtung aus lasiertem Eichenholz fiel den Zerstörungen des Jahres 1945 zum Opfer. Die im Zuge der Wiedererrichtung der Kirche neugeschaffene Einrichtung wurde im Jahr 1986 den neuen liturgischen Richtlinien angepaßt. In den Jahren 1988 bis 1990 wurde der Innenraum der Kathedrale neu gestaltet. Dabei wurden eine elektrische Bankheizung eingebaut, neue Luster montiert und der Altarraum neu gestaltet: Der Fußboden wurde angehoben und ein umschreitbarer Altar aufgestellt. Der friderizianische Reliquienschrein, der bis dahin in der Obhut des Neuklosters war, wurde zusammengebaut und die fehlenden Teile ergänzt. Er wurde am überlieferten Platz wieder aufgestellt. Der ursprüngliche HAUPTALTAR steht auf sieben Altarstufen. Hier wurde Kaiser Maximilian I., seinem Testament entsprechend, im Jahr 1519 als Büßer - aber wie sein Vater im Ornat des St. Georgs-Ritterordens - unter den Altarstufen so beigesetzt, daß der Priester während der Messe über seinem Herzen stand. Der erste Hauptaltar der Kirche soll ein gotischer Altar mit einem Gemälde von (oder nach) Albrecht Dürer, " Die Taufe im Jordan", gewesen sein. Dieser Altar wurde von Erzherzog Maximilian III. durch einen Flügelaltar ersetzt, der an der Außenseite die gleiche Darstellung wie die Votivtafel trug. Im Jahr 1770 wurde im Zuge der Arbeiten zur Aufstellung des von Kaiserin Maria Theresia gestifteten neuen Hauptaltares der Sarkophag von Kaiser Maximilian I. entdeckt und kommissionell geöffnet. Dabei wurden die sterblichen Überreste untersucht und in einen neuen Sarkophag umgebettet. Die beiden Seitenaltäre wurden damals durch barocke Altäre ersetzt.

Auf dem FRÜHEREN HAUPTALTAR steht nun die Statue des heiligen Georg. Dieses Standbild ist eine schöne Bronzearbeit aus Mailand aus der Zeit Kaiser Friedrichs Ill. und war ursprünglich in der Gottesleichnamskapelle der Burg aufgestellt. Sie war in dem Zeitraum, in dem der St. Georgs-Ritterorden die Kirche innehatte, bereits am Hauptaltar aufgestellt gewesen. Im Jahr 1948 wurde die Statue von einem Buntmetallsammler gestohlen und in 14 Teile zerschlagen. Es gelang aber, die Bruchstücke sicherzustellen und die Statue zu restaurieren.

Der UMSCHREITBARE ALTAR ("Volksaltar") wurde im Zuge der Neugestaltung des Innenraumes im Jahr 1986 geschaffen. Zwischen dem Altar und dem rechten Seitenaltar befindet sich die KATHEDRA (griechisch, der Bischofsstuhl) des Militärbischofs von Österreich, die mit seinem Wappen und seinem Wahlspruch geschmückt ist.

Auf dem RECHTEN SEITENALTAR ist das Original der "Kirschenmadonna" aus der Wappenwand aufgestellt (Entstehung um 1470). Die Bezeichnung für diese Madonnenstatue rührt von dem Körbchen mit Kirschen bzw. Obst her, das das jesuskind in der Hand hält. In der Wappenwand befindet sich eine Kopie dieser Statue. An den in der St. Georgs-Kirche im Jahr 1683 beigesetzten Chorbischof von Köln, Wolfgang Georg, Sohn des Herzogs Philipp Wilhelm, Pfalzgraf von Neuburg, erinnern eine ROTMARMORNE DECKPLATTE im Fußboden (unmittelbar bei der ersten Säule rechts) und eine GEDENKTAFEL an der rechten Wand. Der Text der Deckplatte: "Sag mir stummer Stein, wessen Gebeine du birgst? Blicke nach rechts und lies den Namen in Erz" weist auf die Gedenktafel an der Wand hin. Der Bischof war in Wiener Neustadt auf der Rückreise von einem Besuch bei Papst Innozenz XI. in Rom im Alter von 24 Jahren gestorben.

 

Die nächstliegende Türe führt zur GRUFT DES MILITÄRBISCHOFS, in der ein Marmorsarkophag steht. Bei der Neugestaltung der Kirche im Jahr 1990 wurde der bisherige Vorraum als Begräbnisstätte des Militärbischofs von Österreich gewidmet. Baugeschichtlich interessant ist, daß sich hier noch bis zum Zweiten Weltkrieg Reste eines Brunnens befanden, die erst im Zuge des Wiederaufbaues der Kirche abgebrochen wurden.

Vor dem rechten Oratorium, das die Kaiserin Eleonore benutzte, steht eine SÄULE, die als einzige die Zerstörung der Kirche im Jahr 1945 überstanden hat. Sie trägt ein recht gut erhaltenes FRESKO aus friderizianischer Zeit. Die Vorlage für diese neun Darstellungen (Bildgröße 60 x 50 cm) könnte in den 15 Miniaturen des Gebetbuches von Kaiser Friedrich III. zu finden sein. Die Darstellungen des Freskos beziehen sich auf das Leben Jesu, wie es der Evangelist Lukas beschreibt. Diese Andachtsbilder waren später übermalt worden und wurden erst bei der Restaurierung im Jahre 1937 wieder entdeckt.

In der Reihenfolge von oben nach unten zeigen sie:

  • Auferstehung Christi Himmelfahrt
  • Christi Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel
  • Aufnahme Mariens in den Himmel
  • Krönung Mariens
  • Anbetung durch die drei Magier
  • Darstellung Jesu im Tempel
  • Flucht nach Ägypten
  • den zwölfjährigen Jesus im Tempel

Diese Säule trägt ein etwa 4 m hohes KRUZIFIX. Das Corpus Christi ist eine österreichische Arbeit aus dem 14. Jahrhundert, der Meister ist nicht bekannt. Das Kreuz selbst wurde im Jahr 1988 in Neusiedl am See hergestellt. In die Wand eingelassen sind zwei Ziegel, die symbolische Grundsteine darstellen. Sie erinnern an die Verleihung des Ehrentitels "Basilica Minor" am 13. Dezember 1967 an die St. Georgs-Kirche. An der Wand neben dem zweiten gotischen Tor befindet sich ein GRABSTEIN aus rotem Marmor. Die noch erhaltenen Reste der Inschrift geben keinen Hinweis auf die Person, ein Kelch in einem Dreiblatt weist aber auf einen Kleriker hin.

Der zwölfeckige TAUFSTEIN ist aus dem häufig verwendeten Adneter Rotscheck gehauen und ein Werk aus dem 15. Jahrhundert. Er stammt von der ursprünglichen Kircheneinrichtung. Es ist recht wahrscheinlich, daß er bei der Taufe Kaiser Maximilians 1. im Jahr 1459 verwendet wurde. Der von Kaiser Friedrich Ill. gestiftete RELIQUIENSCHREIN dürfte um das Jahr 1480 entstanden sein. Er wurde drei Klafter (5,68 m) vom Haupteingang der Kirche errichtet und stand auf vier bronzenen Säulen. Der Reliquienschrein ist mit den Wappen der habsburgischen Besitzungen in der Zeit Kaiser Friedrichs Ill. geschmückt. Er birgt Reliquien, die zum Teil aus dem Besitz der Habsburger, zum Teil aus Erwerbungen durch Friedrich Ill. stammten.

Die Bodenplatte des Schreines zeigt in vierzehn Tafeln Heilige, die wohl in Bezug zu den Reliquien stehen. Die Tafel in der Mitte zeigt das Monogramm Kaiser Friedrichs III.


Im Jahr 1580 wurde von Bischof Lambert Gruber von Wiener Neustadt ein Protokoll über die Entnahme jener Reliquien erstellt, die auf Wunsch von Kaiser Rudolf II. nach Prag gebracht wurden. Im Jahr 1779 wurde beim Umbau der Kirche unter dem Oberdirektor der Militärakademie, Franz Josef Graf Kinsky, der Schrein abgebrochen und in drei Teile zerlegt. Die beiden äußeren Teile wurden an der Wand des Presbyteriums der Neuklosterkirche aufgehängt und darin die noch vorhandenen Reliquien verwahrt. Nach dem Wiederaufbau der Burg wurde die Bodenplatte in veränderter Form als Altarbild der St. Georgs-Kirche verwendet. Im Zuge der Restaurierung im Jahr 1989 wurden der fehlende Mittelteil und zwei große Fialen ergänzt, die Säulen wurden - da keine genauen Angaben über ihr Aussehen vorlagen - in Holz ausgeführt. Die Bodenplatte wurde von den Übermalungen befreit.

 

Die heutige ORGEL der Kirche stammt aus dem Jahr 1951. Seit Bestehen der Kirche ist dies die vierte Orgel. Die Orgel weist 23 Register, 2 Manuale und ein Pedal auf. Die Gesamtzahl der klingenden Pfeifen beträgt 1.519.

Die VOTIVTAFEL Erzherzog Maximilans III. (1558-1618), Hochmeister des Deutschen Ordens, entstand um das Jahr 1600. Sie zeigt die heilige Maria, den Erzherzog und den hl. Georg. Es handelt sich um eine Arbeit in gebranntem Ton, die erst im Jahr 1827 eingeschwärzt wurde. Einige Teile, wie etwa die Flügel des Drachen, sind aus Blech. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Relief um ein Modell für das Grabmal von Erzherzog Maximilian III. im Dom zu St. Jakob in Innsbruck. Dieses Grabmal wurde von Hubert Gerhart (München) und Caspar Gras (Innsbruck) modelliert und von Heinrich Reinhart gegossen. Es wurde bereits zu Lebzeiten des Erzherzogs begonnen und im Jahr 1629 aufgestellt. Dem Aufbau nach stimmen beide Darstellungen überein - die Gestalt der Gottesmutter war bei der Umsetzung in die Freiplastik wohl nicht zu realisieren.

Zwei GEDENKTAFELN erinnern an den treuen Rat Maximilians I., Siegmund von Dietrichstein, und seine Gattin Barbara (geborene von Rottal). Der Kaiser verfügte in seinem Testament, daß in der St. Georgs-Kirche ein Denkmal an seinen Rat erinnern sollte. Die Inschrift der großen Tafel zitiert diese Verfügung. Die darunter befestigte Tafel weist auf die Gattin des Geehrten hin. Siegmund von Dietrichstein liegt aber nicht hier, sondern in der Pfarrkirche St. Jakob in Villach begraben.

An der Wand neben dem Hoforatorium befand sich ein etwa 8 m hohes Christophorus-Fresko, das Kaiser Friedrich Ill. anfertigen ließ. Dieses Fresko wurde im Zuge der Restaurierung in den Jahren 1936 bis 1938 freigelegt und durch Prof. Weninger restauriert. Leider wurde dieses Fresko im Jahr 1945 zerstört. Der linke Seitenaltar ist der SAKRAMENTSALTAR und trägt einen neugeschaffenen Tabernakel.