Die spätgotischen Glasgemälde


In den Jahren 1478 und 1479 wurde die St. Georgs-Kirche mit spätgotischen Glasfenstern ausgestattet. Von diesen Fenstern sind heute nur mehr Reste im oberen Maßwerk erhalten, da sie bei der Belagerung Wiener Neustadts durch Matthias Corvinus in den Jahren 1485-1487 zerstört wurden. Ein niederländischer Meister erneuerte sie im Jahr 1492.

Die Brandkatastrophe des Jahres 1494 beschädigte die Fenster der Kirche neuerlich. Im Auftrag des Königs Ferdinand 1. wurden die Glasfenster noch vor 1558 durch einen vermutlich aus Spanien stammenden Künstler (in älteren Darstellungen wird der Niederländer Joris van Delft genannt) erneuert. Heute sind nur noch die Glasgemälde der Ostseite erhalten. Das Schicksal der auf Veranlassung des Oberdirektors der Militärakademie, Franz Josef Graf Kinsky (Amtszeit 1779-1805), entfernten übrigen Glasfenster ist ungeklärt, einige Teile dieser Fenster befinden sich noch im Neukloster. Die Glasgemälde hinter dem Altar der St. Georgs-Kathedrale gelten als bedeutendes Kunstwerk des Manierismus.

Der Mittelteil des mittleren Glasfensters zeigt unter der Darstellung der Taufe im Jordan von links nach rechts Philipp den Schönen, König von Spanien (Sohn Maximilians und Marias von Burgund), Kaiser Maximilian I., dessen zweite Gemahlin Bianca Maria Sforza von Mailand, neben ihr die erste Gemahlin Maria von Burgund und - etwas kleiner dargestellt - die Tochter Margarethe, Statthalterin in den Niederlanden. Der über König Philipp dargestellte Apostel Andreas - der Schutzpatron des Ordens vom Goldenen Vlies weist auf Habsburg und Burgund hin. Zu ihren Füßen .sind das Wappen Spaniens, der kaiserliche Doppeladler sowie die Wappen der Sforza und Burgunds dargestellt.

Die rechts oben dargestellte Burg könnte die Hollenburg in Kärnten sein, die im Jahr 1514 von Kaiser Maximilian 1. an Siegmund von Dietrichstein verkauft wurde. Sie blieb bis zum Jahr 1861 im Besitz dieser Familie.

Eine der drei Personen, die hinter dem Apostel Andreas dargestellt sind, ist vielleicht der Meister dieser Glasgemälde. Das mittlere Fenster ist 7,59 m hoch und 2,53 m breit, die beiden seitlichen Fenster haben eine Breite von 1,89 m. Die beiden schmäleren Seitenfenster zeigen Darstellungen einer Auswahl von Heiligen in jeweils 18 Feldern. Mit einiger Wahrscheinlichkeit besteht ein Bezug zu den Reliquien des friderizianischen Reliquienschreines. Im rechten Fenster werden im allgemeinen weibliche Heilige und im linken Fenster männliche Heilige dargestellt. Im rechten Fenster finden sich aber in der zweiten Reihe von oben männliche Heilige. Die Schreibweise der Jahreszahl "1479" unter dem Eigentumszeichen AEIOU im rechten Fenster oben - das Jahr der Übergabe der Kirche an den St. Georgs-Ritterorden - sowie die Verarbeitung der Glasscheiben und die Maltechnik weisen auf eine Herstellung im 16. Jahrhundert hin.

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